Samstag, 19. Dezember 2015

Papierlose Hunde, Schwarzzucht, Disidenz und/oder Mischlingswürfe

Immer wieder tauchen Thai Ridgeback Würfe ohne FCI-Papiere oder Thai-Mischlinge auf. Meist finden wir sie zunächst in einem Inserat und nach spätestens 6 Monaten trudeln die ersten bei Thai Ridgeback in Not ein, da sie zur Vermittlung stehen bzw. im Tierheim sitzen (manchmal sogar schon früher).
Ja natürlich haben wir auch Thai Ridgebacks mit FCI Papieren in der Vermittlung, doch diese werden meist direkt vermittelt oder vom Züchter zurück genommen und von da aus weiter vermittelt, aber landen so gut wie nie im Tierheim.

Da derartige Angebote gerade wieder gehäuft auftreten, möchten wir aus gegebenem Anlass einmal mehr davor warnen einen Welpen aus unseriöser Quelle aufzunehmen!

Wenn Sie sich für einen Thai Ridgeback interessieren und aus welchen Gründen auch immer keinen Not-Thai aufnehmen können oder wollen, dann unterstützen Sie bitte seriöse Züchter, die viel Arbeit, Geld, Mühe und Wissen in den Erhalt der Rasse investieren und keine unseriösen Vermehrer. Der Käufer bestimmt das Angebot! Solange es Leute gibt, die deren Welpen kaufen, wird es auch Hundevermehrer und Welpenhandel geben.

Wir möchten Ihnen hier einen kleinen Leitfaden zur Hand geben, worauf beim Welpenkauf zu achten ist.
Natürlich ist im Leben nicht immer alles schwarz oder weiß. Es gibt verschiedene Meinungen über Zucht, Menschen machen Fehler und auch unter den anerkannten Züchtern gibt es schwarze Schafe, die sich geschickt tarnen können. Dennoch gibt es einige Punkte an denen Sie sich orientieren können:

  1. Der Thai Ridgeback ist kein Hund für Jedermann. Glauben Sie keinem Züchter, der die Rasse als besonders kinderfreundlich und sozial, gesund, für Anfänger geeignet oder in ähnlicher Weise aggressiv bewirbt. Ein seriöser Züchter liebt hoffentlich die Rasse, die er züchtet sehr, trotzdem wird er jederzeit auch über die negativen Aspekte aufklären, die es beim Thai Ridgeback genauso, wie bei jeder anderen Rasse gibt. Ein seriöser Thai Ridgeback Züchter hat es auch nicht nötig die Rasse an sich zu bewerben, denn im Allgemeinen möchte er seine Welpen an Leute verkaufen, die sich sowieso schon über den Thai Ridgeback informiert haben und genau so einen Hund wollen.
  2. Ein seriöser Hundezüchter züchtet unter der Schirmherrschaft der FCI – des Weltdachverband der Hundezüchter. Dies ist in Europa die größte Organisation die Ahnentafeln ausstellt. Daher ist bei den Papieren eines Hundes auf das FCI Logo und das Logo des nationalen Dachverbandes zu achten. Nur dann handelt es sich um international anerkannte Papiere. Die Ahnentafel gibt Aufschluss darüber, ob der Hund gemäß den Zuchtbestimmungen der FCI, des nationalen Dachverbandes und - falls vorhanden - des Rasseclubs gezüchtet wurde. Diese Zuchtbestimmungen sind von Land zu Land verschieden, umfassen aber im Allgemeinen Gesundheitsuntersuchungen, sowie Wesens- und Exterieur-Überprüfungen. Die Erfüllung der Zuchtbestimmungen und möglicherweise auch das aus der Zucht nehmen ungeeigneter Tiere kostet den seriösen Züchter viel Zeit und Geld. Legt der Züchter keinen Wert auf Papiere und Untersuchungsergebnisse kann keine Vorhersage getroffen werden, wie sich die Welpen entwickeln werden!
    FCI Papiere sind noch keine Garantie für eine perfekte Zuchtstätte, vielmehr stellen sie ein Mindestmaß an Kontrolle dar.
  3. Ein weiterer Grund warum der seriöse Züchter einen Verein hinter sich haben möchte ist die Community. Hundezucht – und gerade die Zucht von so seltenen Rassen wie dem Thai – erfordert ein großes Maß an Wissen über Trächtigkeit, Geburt und Welpenaufzucht, aber auch über Erbkrankheiten, Genetik und Linien / Ahnentafeln. Natürlich fängt jeder irgendwann einmal an. Aber gerade in so einer kleinen Szene wie beim Thai Ridgeback kann man vom Kontakt zu anderen Haltern und Züchtern enorm profitieren. Außerdem werden Würfe von einem Tierarzt oder Zuchtwart kontrolliert bevor eine FCI-Ahnentafel ausgestellt wird. Bei dieser Wurfabnahme wird auf Gesundheit und Rassetyp untersucht und es ist so wesentlich unwahrscheinlicher, dass Anomalien wie Dermoid Sinus, Knickruten, Nabelbrüche usw. übersehen oder verheimlicht werden.
Dissidenz-Züchter kapseln sich meist von der Szene ab und doktern alleine vor sich hin, sie wissen nicht über typische Krankheiten und Anomalien Bescheid und kennen die Linie ihrer Hunde nicht, sodass es bei so seltenen Rassen wie dem Thai leicht zu Inzucht kommen kann.
  1. Der seriöse Züchter möchte gesunde Hunde züchten. Er lässt die Elterntiere auf rassetypische Krankheiten untersuchen und nimmt Hunde aus der Zucht, die nicht gesund sind. Das ist nicht immer eine Garantie dafür, dass alle Welpen gesund sein werden, aber das ist dem seriösen Züchter auch bewusst und er gibt ehrlich Auskunft über Krankheitsvorkommen in der Rasse und bei seinen Hunden. Glauben Sie keinem Züchter, der sagt, seine Hunde sind absolut gesund. Es gibt an die 400 Erbkrankheiten und man kann nicht auf alle testen. Es besteht immer ein Risiko, das ein Lebewesen einmal krank wird. „Meine Hunde und ihre Welpen sind absolut gesund“ ist nur Schönrederei. Thai Ridgebacks sollten mindestens auf Hüftgelenksdysplasie (HD) und Dermoid Sinus (DS) untersucht werden. Häufig kommen in der Rasse auch Hauterkrankungen, Allergien und Krebs vor.
  2. Kommen wir noch einmal auf den Dermoid Sinus (DS) zurück. Hierbei handelt es sich um eine rassetypische, angeborene Anomalie, die beim Thai Ridgeback leider weit verbreitet ist. Ein erfahrener Züchter (oder der Zuchtwart des Clubs) kann ihn schon beim sehr jungen Welpen ertasten. Für den Laien ist das jedoch nicht immer einfach. Üblicherweise wird die Anomalie dann noch beim Züchter operativ entfernt (was im deutschsprachigen Raum nur wenige Tierärzte können), der Welpe ist dann gesund und kann als Liebhabertier abgegeben werden. Ein übersehener DS kann sich jedoch lebensbedrohlich entzünden und die dann nötige Operation kann sehr kostspielig werden. Fragen Sie daher den Züchter nach DS Vorkommen bei den Eltern und den Welpen. Ist der gesamte Wurf DS frei, kann das natürlich Glück sein oder aber die Welpen wurden nicht genau genug untersucht. Behauptet ein Züchter, seine Hunde stammen aus „DS-freier Linie“, glauben Sie das nicht! Es gibt keine DS freien Linien in der Rasse. Achten Sie bei den Elterntieren auf verdächtige Narben oder Beulen im Bereich des Nackens und der Kruppe und tasten Sie zumindest den in Frage kommenden Welpen selbst ab. DS kommt übrigens auch bei Thai Ridgeback Mischlingen vor.
  3. Wo wir schon beim Thema Mischlinge sind: Kein seriöser Mensch züchtet absichtlich Mischlinge oder kreiert aus anerkannten Rassen irgendwelche toll klingenden Designer-Kreuzungen. Wie gesagt ist der Thai Ridgeback speziell und das ist gut so. Wird aber sein urtypisches Wesen wahllos mit völlig konträren Rasseeigenschaften z.B. eines Labradors, Pinschers oder Rhodesian gemischt weiß niemand mehr wie die Welpen sich entwickeln werden. Im schlimmsten Fall erwirbt man einen Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Ja, Unfälle können passieren und zufällig entstandene Hundebabies haben natürlich alles Recht auf ein großartiges Zuhause. Bevor Sie sich aber für einen Welpen aus einem Unfallwurf entscheiden, hinterfragen sie erstens die genauen Umstände und nehmen Sie Abstand vom Kauf, wenn Sie den Eindruck haben, es wäre doch absichtlich passiert, denn so etwas sollte man nicht unterstützen. Und zweitens informieren Sie sich ganz genau über BEIDE Elternrassen und stellen Sie sich vorsichtshalber auf einen Hund ein, der das schlimmste aus beiden Welten in sich vereint.
  4. Ein reinrassiger, korrekter Thai Ridgeback Welpe mit FCI Papieren hat seinen Preis und kostet derzeit zwischen 1600€ - 2500€ je nach Herkunftsland, Linie usw. DS-operierte oder ridgelose Welpen bekommt man etwas günstiger ab ca. 800€. Preise die deutlich darunter liegen sollten einem zu denken geben, aber auch horrende Preise weit über 2500€ lassen sich für einen Welpen kaum mehr rechtfertigen. Rassehunde ohne Papiere sind aus finanzieller Sicht nichts wert, da man nichts über die Ahnen, die Gesundheit usw. weiß entsprechen sie dem Wert eines Mischlings. Auch solche Hunde sollten nicht verschenkt werden, aber alles was über eine angemessene Schutzgebühr hinausgeht, ist nicht gerechtfertigt und reine Geldmacherei. Wir möchten betonen, dass es hier rein um den finanziellen Wert geht um dem Interessenten einen Anhaltspunkt zu geben, wie viel ein Hund üblicherweise kostet. Jeder Hund ist natürlich von unschätzbarem emotionalen Wert!
  5. Und da dem seriösen Züchter seine Hunde auch mehr Wert sein sollten als alles Geld der Welt, sollte deren Wohl für ihn immer an oberster Stelle stehen. Bei einem seriösen Züchter können die Welpen und die Mutterhündin jederzeit besichtigt werden. Der Umgang mit den Hunden sollte liebevoll und fachkundig sein und die Hunde sollten Vertrauen zum Züchter zeigen. Einer Hündin sollte maximal ein Wurf im Jahr zugemutet werden (besser noch weniger) und das höchstens 4 Mal im Leben. Sie sollte weder zu jung, noch zu alt sein. Unter 15 Monaten ist sie selbst noch ein halbes Kind - körperlich und mental. Gerade Thai Ridgebacks sind Spätentwickler und oft erst mit 3 Jahren richtig erwachsen. Bei einer zu jungen Hündin kann man auch keinerlei Aussagen über ihre Gesundheit und Wesen treffen und somit überhaupt nicht wissen, ob sie überhaupt für die Zucht geeignet ist. Eine Hündin ab 8 Jahren ist zu alt um die Strapazen eines Wurfes leicht wegstecken zu können. Auch die Gesundheit und sogar das Wesen der Welpen können darunter leiden, wenn die Hündin während der Trächtigkeit nicht topfit ist. Welpen dürfen nicht vor 8 Wochen von der Mutter getrennt werden. Das ist nicht nur per Tierschutzgesetz verboten sondern kann zu erheblichen Wesensproblemen führen.

Es gäbe noch so viel mehr zu sagen, wie dass natürlich vom vaterrüden Fotos, Dokumente und eine Kontaktmöglichkeit zu den Besitzern vorhanden sein sollte, dass die Hunde optimal veterinärmedizinisch versorgt werden, die Welpen geimpft, entwurmt und gesund sein sollten, die Umgebung sauber und gepflegt und so weiter und so fort. Aber darüber gibt es im Internet bereits unzählige Artikel. Die für den Thai Ridgeback besonders relevanten Punkte haben wir bereits erwähnt und schließen diese Ausführungen mit der nochmaligen Bitte, unseriöse Hundezucht nicht zu unterstützen. Selbst wenn Sie durch unsere Aufzählung nicht abgeschreckt sind und denken, sie würden das schon schaffen, selbst wenn Sie Mitleid mit einem solchen Welpen haben. Das Geld, dass man für einen solchen Welpen zahlt wird dazu verwendet weiter unüberlegt Hunde zu vermehren. Wenn Sie keinen Wert auf Papiere, Zucht und Ausstellungswesen legen, dann geben Sie aus Mitleid lieber einem Thai Ridgeback in Not oder einem anderen Not-Hund eine zweite Chance.

Übrigens die Thai Ridgeback Szene ist sehr klein und eigentlich kennt jeder, jeden. Es ist also nicht besonders schwer herauszufinden, welche Züchter empfehlenswert sind und welche eher nicht. Wir beraten natürlich auch gerne vor der Anschaffung eines Welpen und stehen mit rat & Tat zu Seite, damit möglichst wenig Thais überhaupt erst in Not geraten. Einfach PN auf Facebook schreiben oder Email an: tijana@thairidgeback-in-not.com


Copyright by Thai Ridgeback in Not und Alina Geishofer. Dieser Post darf und soll gerne geteilt warden. Wer den Text für seine Homepage, Blog o.ä. verwenden möchte, kann dies gerne tun, sofern er nicht verändert oder gekürzt wird. Bitte kurze Mail an info@amon-sul.at wofür und wo der Text erscheinen soll.

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